Archiv für den Monat: Oktober 2016

Summer School 2016 weckt Begeisterung für O&U

Frankfurt – Unter dem Motto „Bewegung ist Leben“ wurde am 19. und 20. September 2016 in Frankfurt die 8. Summer School der DGOU und des BVOU unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Andrea Meurer (Friedrichsheim), Herrn Prof. Dr. Ingo Marzi (Frankfurt) und Herrn Prof. Dr. Alexander Beck (Würzburg) in Kooperation mit dem Jungen Forum O&U durchgeführt.

30 Studierende von insgesamt 120 Bewerbern erhielten die Möglichkeit in lebhaften Diskussionsrunden bei ungezwungener Atmosphäre das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie besser kennenzulernen.

Das zweitägige Kursprogramm wurde von Frau Prof. Meurer und Herrn Prof. Marzi eingeleitet, die zum Thema „Faszination O&U“ jeweils ihren Werdegang skizzierten. Herr Prof. Beck (Würzburg) konnte im Anschluss Fragen der Studierenden bezüglich der Niederlassungsmöglichkeiten in O&U beantworten.

Ein spannender Austausch entstand in der Diskussionsrunde „Familie und Beruf“. Hier überzeugte eine gut besetzte Podiumsrunde aus sowohl in Vollzeit, als auch in Teilzeit arbeitenden Kolleginnen mit Kindern und einem leitenden Oberarzt mit Familie.

In Kleingruppen durchliefen die Studierenden verschiedene praktische Stationen. Von dem AO Skills Lab, Sonografieren von Säuglingshüften oder in Notfallsituationen (FAST) über die korrekte Gipsbehandlung von kindlichen Klumpfüßen am Modell bis hin zur eigenhändig eingebauten Hüft-Endoprothese konnten die Studierenden unter professioneller Regie selber Hand anlegen. Die Begeisterung blieb nicht aus: „Ich war bisher immer 2. Assistenz, so habe ich das noch nie gesehen“ berichtet eine Studentin.

Am Abend bot ein Networking Event im Gasthaus „Apfelwein Wagner“ im Frankfurter Sachsenhausen mit kulinarischen Lokalspezialitäten die Möglichkeit, Gespräche und Diskussionen fortzusetzen und offene Fragen zu beantworten.

Nach zwei spannenden Tagen Orthopädie und Unfallchirurgie ging die Summer School 2016 erfolgreich zu Ende. Der sichtbare Erfolg: vor Beginn der Summer School waren weniger als 1/3 der Teilnehmer (9/30) sicher, eine Weiterbildung in O&U anzustreben. Nach zwei Tagen des intensiven Austausches würden mehr als 60% (23/30) der Studierenden sich als Orthopäde oder Unfallchirurg bewerben.

Darüber hinaus würden, laut der anschließenden Online-Umfrage, 100% der Studierenden die Summer School weiterempfehlen – 70% der Studierenden geben an, die Summer School habe sie maßgeblich in der Wahl der Facharzt Weiterbildung beeinflusst.

Damit blicken wir auf eine sehr gelungene Summer School 2016 in Frankfurt zurück.

Prof. Dr. Andrea Meurer (Präsidentin DGOOC 2017)
Prof. Dr. Ingo Marzi (Präsident DGU 2017)
Prof. Dr. Alexander Beck (Kongresspräsident BVOU 2017)
Dr. Manuel Mutschler (Junges Forum O&U)
Gina Grimaldi (Junges Forum O&U)

“Wir sind doch mit Gummihopse aufgewachsen”

Wittstock – Mitmachen bei der Orthofit-Aktion „Zeigt her Eure Füße?“ Aber gern, sagt Dr. med. Jens Tokar. Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie aus dem brandenburgischen Wittstock/Dosse hat drei Jahre lang sogar jeweils eine ganze Woche lang seine Praxis geschlossen und ist durch die Grundschulen in seinem Heimatkreis getourt: „Ich finde die Idee, Prävention für Kinder im Hinblick auf ihre Fußgesundheit anzubieten, wirklich klasse. Manchmal sieht man nämlich schon bei Grundschülern ganz schön deformierte Füße.“

Im Rahmen der bundesweiten Aktion „Zeigt her Eure Füße“ des BVOU, die in diesem Jahr vom 21. bis 25. November stattfindet, wird Tokar erneut auf Tour gehen, allerdings dieses Mal nur einen Tag lang: „Ich habe in der Sprechstunde so viel zu tun, dass ich eine ganze Woche wie früher nicht mehr schaffe. Und ehrlich gesagt bedeutet es ja auch einen betriebswirtschaftlichen Verlust, wenn man eine ganze Woche lang keine Patienten behandelt.“ Tokar fände es deshalb gut, wenn sich im nächsten Jahr ein seriöser Sponsor fände, der den BVOU finanziell bei der Präventionsaktion unterstützt: „Geld verdienen muss man als teilnehmender Orthopäde damit nicht, finde ich. Aber es wäre schön, wenn man keinen Verlust macht.“

Seilhüpfen und das Tanzlied sind beliebt

Und was macht Dr. Tokar als Präventionsexperte im Rahmen der Aktion Orthofit dann in den Klassen genau? „Ich erkläre den Kindern die Fußmuskulatur, und zwar spielerisch. Was immer gut ankommt, sind die bunten Fußabdrücke“, erzählt er. „Weil das immer ganz schön dauert, bringe ich meine beiden Krankenschwestern aus der Praxis mit.“ Außerdem hat der Orthopäde jedes Mal Springseile mitgenommen und die Kinder zum Seilhüpfen animiert: „Es ist erschreckend, wie viele das heute nicht mehr können. Wir sind doch früher praktisch mit Seilspringen und Gummihopse groß geworden. Da gab es praktisch kein Kind, dass das nicht konnte.“

Das Tanzlied „Zeig her, wozu Du Füße hast“ von TV-Moderator Christian Bahrmann komme auch immer gut an. Und die Urkunde am Ende mit einem kleinen Geschenk ist bei allen Kindern sehr beliebt.

Über mehr Kollegenbeteiligung würde sich der Brandenburger freuen

Und die Lehrer? „Manche finden es toll und gehen richtig mit bei den Übungen, andere zeigen weniger Interesse“, sagt Tokar. „Aber so ist das eben. Überwiegend sind die Reaktionen sehr positiv.“ Auch die Eltern freuten sich mehrheitlich über das Präventionsangebot für ihre Kinder.

Und die Kollegen rund um Wittstock? Alle angesprochen, alle überlastet in den Praxen und deshalb bislang nicht zu einer Teilnahme zu gewinnen, bedauert Tokar – auch wenn er das grundsätzlich verstehen kann. Aber er würde sich natürlich freuen, wenn sich das noch änderte.

Haben Sie Interesse, sich als Orthopäde und Unfallchirurg an der Aktion „Zeigt her Eure Füße“ zu beteiligen? Dann unterstützen Sie die BVOU-Kampagne mit Ihrer Teilnahme an der diesjährigen Aktionswoche. Auf der Website www.aktion-orthofit.de erhalten Sie weitere Informationen und können sich für die Aktion anmelden.

DKOU-Präsidenten pflanzen Stadtbäume für Berlin

Berlin – Zehn Spree-Eichen haben Orthopäden und Unfallchirurgen der Stadt Berlin in diesem Jahr gespendet. Den ersten der zehn Bäume pflanzten gestern die Präsidenten des diesjährigen Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) im Regierungsviertel. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU), der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU) sowie der Bundesinnungsverband für Orthopädie.Technik (BIV-OT) beteiligen sich damit bereits zum vierten Mal an der Kampagne „Stadtbäume für Berlin“.

Im Rahmen der Kampagne, die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und den Berliner Bezirken organisiert wird, konnten bislang fast 6.000 zusätzliche Bäume gepflanzt werden. Insgesamt 40 davon stifteten die orthopädisch-unfallchirurgischen Fachgesellschaften seit 2013.

Mit der Pflanzung der ersten Spree-Eiche gaben die DKOU-Kongresspräsidenten Prof. Dr. Florian Gebhard, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Dr. Manfred Neubert, BVOU-Kongresspräsident, und Prof. Dr. Heiko Reichel, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) den Auftakt der diesjährigen Herbstpflanzung der Stadtbaumkampagne. Gemeinsam mit dem Vizepräsidenten des BIV-OT, Matthias Bauche, und den DGOU-Generalsekretären Prof. Dr. Bernd Kladny und Prof. Dr. Reinhard Hoffmann haben sie gestern den ersten Baum in der Otto-von-Bismarck-Allee angegossen.

Mehr als 700 Bäume will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in diesem Herbst gemeinsam mit den Spendern der Stadtbaumkampagne pflanzen – zusätzlich zu den regulären Pflanzungen der Berliner Bezirksämter. Neben Verbänden, Initiativen und Unternehmen unterstützen auch viele Bürger die Kampagne.

Quelle: DGOU/Senatsverwaltung

Aufwertung konservativer Verfahren gefordert

Berlin – Millionen Menschen in Deutschland leiden an Rückenschmerz, Arthrose oder Osteoporose. Diese Patienten werden in der Regel nicht auf dem Operationstisch, sondern mit konservativen Verfahren behandelt. Trotz ihrer großen Bedeutung für das Fach würden konservative Methoden im Gesundheitssystem aber oft nicht angemessen vergütet, kritisierte Dr. Manfred Neubert, einer der Präsidenten des diesjährigen Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU), bei der Vorab-Pressekonferenz zum Kongress gestern in Berlin.

Zunehmende Bedeutung konservativer Verfahren

Laut Statistischem Bundesamt verursachen Beschwerden am Muskel- und Skelettsystem hierzulande rund elf Prozent aller Krankheitskosten. Rund 85 Prozent der Deutschen haben mindestens einmal im Leben Rückenschmerzen. Jede zweite Frau und jeder dritte Mann im Alter von 70 bis 79 Jahren hat Arthrose; jede vierte Frau eine Osteoporose. Bei den meisten Betroffenen ist ein operativer Eingriff nicht angezeigt – stattdessen kommen konservative Verfahren wie Medikamente, manuelle Medizin, Schmerz- oder Physiotherapie zum Einsatz. „Durch die steigenden Erkrankungszahlen haben vor allem die niedergelassenen Orthopäden und Unfallchirurgen einen gewaltigen Versorgungsauftrag, der mit der alternden Gesellschaft in Zukunft noch weiter wachsen wird“, so Neubert.

Höherer Stellenwert in Ausbildung und Vergütung gefordert

Mithilfe konservativer Behandlungsmethoden könnten Orthopäden erfolgreich und risikoarm Schmerzen lindern, Beweglichkeit und Lebensqualität verbessern oder das Fortschreiten von Erkrankungen bremsen. Darum sollte diesen Verfahren ein höherer Stellenwert zukommen, betonte Neubert im Vorfeld des DKOU. „Konservative Verfahren erfordern eine sehr gute Ausbildung des Orthopäden und Unfallchirurgen und intensive Zusammenarbeit mit dem Patienten – beides wird durch das Gesundheitssystem aktuell nicht ausreichend vergütet“, betonte Neubert. Auch in der medizinischen Ausbildung müsse der konservativen Therapie mehr Raum gegeben werden. Es dürften nicht nur die „großen Eingriffe“ im Mittelpunkt stehen. „Wer seinen Patienten die bestmögliche Behandlung bieten will, darf nicht nur lernen, gut zu operieren, sondern muss das gesamte Spektrum der nicht-chirurgischen Möglichkeiten kennen und anwenden können“, so der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Sonneberger Orthopädiezentrum in Bremen.

Kommunikation mit dem Patienten zentral

Für den Erfolg der Therapie sei der stetige Austausch mit dem Patienten entscheidend, unterstrich Neubert. Die Bedürfnisse und die momentane Lebenssituation des Patienten seien ausschlaggebend für die Wahl der besten Behandlung. „Anders als bei den meisten anderen Erkrankungen gibt es für Arthrose oder Rückenschmerz keine Laborbefunde, anhand derer sich eine bestimmte Behandlung verordnen lässt – auch Röntgenbilder sind nicht eindeutig“, sagte er. Schmerzen, Beweglichkeit und Einschränkung der Lebensqualität sind vom persönlichen Empfinden abhängig. Diese Kriterien entscheiden, welche individuellen Behandlungsmaßnahmen angezeigt sind und wann nach Ausschöpfen der konservativen Möglichkeiten doch eine Operation nötig wird.

Fachgesellschaften planen Weißbuch zur konservativen Therapie

Da die Daten über konservative Therapieverfahren in Orthopädie und Unfallchirurgie in Deutschland momentan nicht vollständig aufgearbeitet sind und deswegen evidenzbasierte Erkenntnisse zur Evaluation der konservativen Therapie in Deutschland fehlen, wird vom BVOU und den Fachgesellschaften aktuell ein Weißbuch zur konservativen Therapie, analog dem Weißbuch Gelenkersatz, erarbeitet, das auf dem DKOU 2017 vorgestellt werden soll. Damit würde sich erstmals eine standardisierte Datenlage in diesem Versorgungsbereich ergeben.

Der diesjährige DKOU findet vom 25. bis 28. Oktober 2016 auf dem Messegelände Süd in Berlin statt.

Quelle: Pressestelle DKOU

Entlassmanagement: Richtlinie ist umstritten

Berlin – Die neuen Vorgaben zum Entlassmanagement haben zu heftiger Kritik der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) geführt. Die Entscheidungen des erweiterten Bundesschiedsamts hätten das Entlassmanagement „zu einem bürokratischen Monster für die Krankenhäuser gemacht“, rügte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. „50.000 Zwangsregistrierungen von Krankenhausärzten im KV-System sind ein Wahnsinn.“

Hintergrund: Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz schreibt vor, das Entlassmanagement nach einem Klinikaufenthalt zu verbessern. Bis Ende 2015 sollte eigentlich eine entsprechende Richtlinie vorliegen. Darin sollte geregelt sein, wie Krankenhäuser Entlassrezepte für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel ausstellen, aber auch andere Bescheinigungen, beispielsweise solche über Arbeitsunfähigkeit. Weil sich die DKG, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband nicht einigen konnten, entschied nun Mitte Oktober das erweiterte Schiedsamt. Die Richtlinie soll nun zum 1. Juli in Kraft treten.

Baum: Zwangserfassung von Krankenhausärzten in KVen

„Ohne dass es für die Wirtschaftlichkeitsprüfung bei Arzneimitteln gebraucht wird, haben GKV und KBV mit ihrer Mehrheit vorgegeben, dass die Krankenhausärzte über die lebenslange Arztnummer der KVen zwangserfasst werden müssen“, kritisierte Baum. „Der enorme bürokratische Aufwand erfordert einen zeitlichen Vorlauf, der dazu führt, dass die Vorteile des Entlassmanagements erst zum Juli in Kraft treten können.“

Der GKV-Spitzenverband beurteilt das Schiedsergebnis anders. Die Entscheidung „werde helfen, den Rechtsanspruch der Patienten endlich in allen Krankenhäusern durchzusetzen“, hieß es in einer Pressemitteilung. Von Sommer 2017 an müssten die Kliniken bei der Entlassung von Patienten nach klar geregelten Verbindlichkeiten arbeiten, „die für Patienten auf den Internetseiten der Klinik nachzulesen sind“. Dazu gehörten ein Entlassbrief und ein Medikationsplan.

Umfrage: Krankenhäuser wären mit Entlassrezepten überfordert

Die Zeitschrift „Das Krankenhaus“ hatte am 14. Oktober über die Ergebnisse einer deutschlandweiten Umfrage unter Krankenhäusern zum Thema Entlassrezepte berichtet. Mit der Einhaltung der vorgeschriebenen Anforderungen an die ambulante Arzneimittelversorgung seien Krankenhausärzte nach eigener Einschätzung überfordert, hieß es darin: „Knapp 60 Prozent der befragten Krankenhäuser gaben an, dass dem verantwortlichen Stationsarzt nie oder selten alle erforderlichen Informationen vorliegen, um ein Entlassrezept rechtskonform zu erstellen.“ DKG-Hauptgeschäftsführer Baum wird in dem Artikel unter anderem mit dem Hinweis zitiert, man könne gar nicht streng rechtskonform verordnen, „weil wir gar keinen Einblick haben, welche Rabattverträge gerade gelten“.

Für die Analyse hatten 66 Prozent der befragten Krankenhäuser angegeben, sie schätzten die Probleme bei der Verordnung von Betäubungsmitteln über das Entlassrezept als sehr groß/groß ein. Bei der Ermittlung der richtigen, ambulant verfügbaren Arznei rechnen demnach 58 Prozent mit sehr großen/großen Problemen, bei der Beratung des Patienten bei der Rezeptübergabe 39 Prozent.

Patientenvertreter im G-BA erwarten Verbesserungen

Sabine Häfner, Teamleiterin Stabsstelle Patientenbeteiligung beim Gemeinsamen Bundesausschuss, hatte am Wochenende auf die Bedürfnisse der Patienten verwiesen. Beim Bundeskongress des Verbands der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands betonte sie, dass zu den Wünschen der Versicherten nach mehr Qualität auch der Wunsch nach einem besseren Entlassmanagement gehöre. Der Gesetzgeber habe hier zwar mehrfach nachgebessert. Doch Patienten berichteten immer wieder von einem hohen Maß an Intransparenz. Es fehlten zum Beispiel Informationen darüber, welche Krankenhäuser diese Aufgabe gut lösten und welche nicht.

Korruption: Chirurg wegen Untreue vom BGH verurteilt

Karlsruhe – Die Folgen des Anti-Korruptionsgesetzes werden von Orthopäden und Unfallchirurgen seit Monaten diskutiert. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BHG) gegen einen niedergelassenen Chirurgen, dessen ausführliche Begründung vor kurzem veröffentlicht wurde, befeuert diese Diskussion weiter. Es bezieht sich allerdings auf die Rechtslage vor Inkrafttreten des Anti-Korruptionsgesetzes.

Mit ihrem Urteil stellen die Bundesrichter klar, dass Vertragsärztinnen und -ärzte eine „Pflicht zur Rücksichtnahme auf das Vermögen der Krankenkassen“ aus Paragraf 266 Absatz 1 Strafgesetzbuch heraus haben. Diese gebiete ihnen zumindest, Heilmittel nicht ohne jegliche medizinische Indikation zu verordnen, schon gar nicht in der Kenntnis, dass diese gar nicht erbracht, aber abgerechnet wurden.

Chirurg erhielt selbst kein Geld aus dem Geschäft

Der Verurteilte arbeitete als „Kooperationsarzt“ mit drei regionalen Gesundheitszentren zusammen. In rund 500 Fällen verordnete er in den Jahren 2005 bis 2008 physiotherapeutische und krankengymnastische Leistungen für Patienten, die er gar nicht selbst untersucht hatte. Die Rezepte wurden von den Zentren abgerechnet, die verordneten Leistungen allerdings nicht erbracht. Der Chirurg erhielt selbst keinen Anteil dieses Geldes. Ihm ging es dem Urteil zufolge darum, seine Stellung als „Kooperationsarzt“ der Zentren zu erhalten und seinen Geschäftspartnern dauerhafte Einnahmen zu verschaffen.

Den Krankenkassen entstand dadurch ein Schaden von mehr als 50.000 Euro. Das Landgericht Halle verurteilte den Chirurgen darauf hin wegen Untreue in Tateinheit mit Beihilfe zum Betrug zu einem Jahr Haft auf Bewährung. Der BHG änderte das Urteil ab: Verurteilt wurde der Chirurg in der letzten Instanz allein wegen Untreue, die Bewährungsstrafe bleibt. Die Bundesrichter verwiesen auf die „Vermögensbetreuungspflicht“ von Vertragsärzten. Diese zähle zu den Hauptpflichten gegenüber den Kassen. Denn mit seinen Verordnungen, hier den Heilmittelverordnungen, erkläre ein Vertragsarzt auch, dass alle Anspruchsvoraussetzungen erfüllt seien, darunter auch die, dass das Heilmittel notwendig und wirtschaftlich sei.                             Sabine Rieser

Kniestabilität nach OP: Ulmer erhält Auszeichnung

Ulm/Basel – Der Ulmer Unfallchirurg Dr. Björn Drews ist für seine Forschung zum Anterolateralen Ligament (ALL) mit dem Alwin Jäger Preis ausgezeichnet worden. Die Funktion des Kniebandes wird seit seiner Wiederentdeckung durch belgische Ärzte 2013 in der Fachwelt stark diskutiert. Nach ihrer Überzeugung verbessert ein Ersatz des ALL die Rotationsstabilität des Knies nach Operationen der vorderen Kreuzbänder. In biomechanischen Versuchsreihen fand Drews mit seinem Team heraus, dass das Band jedoch fast keinen Einfluss auf die Rotationsstabilität hat.

Wiederentdeckung eines wenig erforschten Kniebandes

Das ALL wurde erstmals bereits 1879 von dem französischen Chirurgen Dr. Paul Ferdinand Segond beschrieben. Seine Bedeutung für die Kniefunktion galt jedoch lange Zeit als umstritten. In einer Publikation im Journal of Anatomy im Jahr 2013 nahmen die orthopädischen Chirurgen Dr. Steven Claes und Prof. Dr. Johan Bellemans von der Universitäts­klinik in Löwen in Belgien das Band erneut in den Blick und beschrieben erstmals dessen genauen Verlauf und Funktion.

Ihren Ausführungen zufolge spielt das ALL eine wichtige Rolle in der seitlichen Stabilisierung des Kniegelenks. Ein Riss des Bandes könnte damit am sogenannten Pivot-Shift-Phänomen beteiligt sein, welches für eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes spricht. Claes und Bellemans gingen dementsprechend davon aus, dass ein Ersatz des ALL das Knie nach einer Operation der vorderen Kreuzbänder stabilisieren könne. Dieser Ansatz wird seitdem diskutiert und erforscht.

„Wir wollten wissen, wie sich das ALL in der Bewegung des Knies verhält, denn darüber ist noch sehr wenig bekannt“, erläutert Preisträger Dr. Björn Drews, Facharzt der Ulmer Universitätsklinik für Unfall-, Hand-, plastische und Wiederherstellungschirurgie. In einem Kniesimulator setzte das Team um Drews besonders präparierte Kniegelenke Beuge- und Drehbewegungen aus, zum Teil unter extra Belastung, und beobachtete die Auswirkungen auf das Band.

Kein wesentlicher Einfluss auf die Kniestabilität

„Wir konnten feststellen, dass das ALL bei passiver Bewegung ohne zusätzliche äußere Krafteinwirkung ohne Funktion bleibt, also keinen wesentlichen stabilisierenden Effekt hat. Aufgrund dieser Erkenntnisse können wir in einem Ersatz des ALL im Rahmen einer Operation der vorderen Kreuzbänder keinen zusätzlichen Nutzen für die Stabilität erkennen“, erläutert der 33-jährige Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie das Ergebnis seiner Studie.

Für die Teamarbeit in den biomechanischen Laboren des Ulmer Universitätsklinikums wurde Drews gemeinsam mit seinen Kollegen, dem Schweizer Orthopäden PD Dr. Oliver Kessler sowie den Ulmer Wissenschaftlern Prof. Dr. Anita Ignatius und apl. Prof. Dr. Lutz Dürselen vom Institut für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik des Universitätsklinikums, mit dem Alwin Jäger Preis ausgezeichnet. Der Preis wurde im September auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie in Basel von der Alwin Jäger Stiftung verliehen.

Ziel der Stiftung ist es, die Arthroskopie und minimal-invasive Orthopädie zum Wohle der Patienten weltweit voranzutreiben. Der Alwin Jäger Preis gilt europaweit als angesehener Innovationspreis des Fachgebiets und ist mit 2.500 Euro dotiert. In diesem Jahr wurde neben der Studie der Ulmer Forscher, „Biomechanische Analyse von Dehnung und Funktion des anterolateralen Ligamentes“, eine weitere Arbeit mit dem Preis ausgezeichnet. Der Freiburger Wissenschaftler Robert Ossendorff erhielt die Auszeichnung für seine Studie „Die Knorpelzelltransplantation unter Simulation osteoarthrotischer Bedingungen mittels TNFα in einem Kniegelenk-spezifischen Bioreaktor“. Beide Preisträger erhielten je 1.250 Euro.

Anne Faulmann/Universitätsklinikum Ulm

10 Spree-Eichen im Regierungsviertel zum DKOU

Berlin – Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt pflanzt gemeinsam mit den Spenderinnen und Spendern der Stadtbaumkampagne in diesem Herbst mehr als 700 Straßenbäume; zusätzlich zu den regulären Pflanzungen der Berliner Bezirksämter.

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Den Anfang machen mit der Pflanzung von zehn Spree-Eichen die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU), der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU) sowie der Bundesinnungsverband für Orthopädie.Technik (BIV-OT). Mit der Pflanzung beteiligen sich die Fachgesellschaften zum vierten Mal in Folge an der Kampagne „Stadtbäume für Berlin“. Unterstützt werden sie von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und dem Bezirksamt Mitte. Die Pflanzung des ersten Baums erfolgt im Vorfeld des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie am 18. Oktober. Er findet vom 25. bis 28. Oktober 2016 in Berlin statt.

Im Rahmen der Stadtbaumkampagne, die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und den Berliner Bezirken organisiert wird, konnten bislang fast 6.000 zusätzliche Bäume gepflanzt und knapp 700.000 Euro an Spenden eingenommen werden. Neben Verbänden, Initiativen und Unternehmen unterstützen auch viele Bürgerinnen und Bürger die Kampagne.

Quelle: Senatsverwaltung

Junge Ärztin - Weiterbildung

Prof. Gerlach: Kritik an Weiterbildung in O und U

Berlin – Die Weiterbildung im Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie bereitet junge Ärztinnen und Ärzte nur unzureichend auf die Anforderungen in der ambulanten Versorgung vor. Diese Auffassung hat Prof. Dr. Ferdinand Gerlach vor kurzem bei der Herbsttagung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin vertreten. Der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR) nahm an einem Podium zum Thema „Weiterbildung – der Weg in die ambulante Versorgung“ teil.

Das DRG-System begünstige bestimmte Eingriffe wie Wirbelsäulenoperationen, Knie- und Hüftendoprothesen. Deshalb gebe es auch relativ viele Weiterbildungsstellen in diesem Bereich und viele Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung O und U. „Wenn sie sich dann niederlassen, machen sie vom einen auf den anderen Tag etwas völlig anderes. Sie behandeln beispielsweise unspezifische Rückenschmerzen. Aber ihre Weiterbildung hat sie darauf nicht vorbereitet“, so der SVR-Vorsitzende. Dies verdeutliche, dass in O und U wie auch in anderen Fachgebieten die rein stationäre Weiterbildung keine ausreichende Vorbereitung für die Lösung von Problemen im ambulanten Bereich sei.

Wie man gute manuelle Medizin mache oder mit Physiotherapeuten kooperiere, lerne man weder im Studium noch in der Weiterbildung ausreichend. Auch würden Patienten heute in Krankenhäusern eher durchgeschleust. Man lerne dort nicht mehr das Management chronisch Kranker, die Versorgung Multimorbider, es gebe keine Früherkennung und so gut wie keine Impfungen – geschweige denn ein Lernen von Beziehungsmedizin. Dies alles könne man nur außerhalb der Klinik lernen. Dem müsse die Weiterbildung gerecht werden, aber das tue sie noch nicht ausreichend.

Die KBV hatte ihre Herbsttagung am 5. Oktober unter das Thema „Perspektiven des Sicherstellungsauftrags“ gestellt. In parallelen Fachveranstaltungen diskutierten Referenten mit Tagungsbesuchern über die Themen Nachwuchssicherung, demografischer Wandel und Bedarfsplanung sowie Arztzahlprognose, neue Formen der Häuslichkeit in der ambulanten Versorgung und sektorenübergreifende Notfallversorgung.

Seit kurzem: konservative Inhalte im Webinar

Innerhalb des BVOU werden die Herausforderungen an die ambulante Weiterbildung und an konservative Weiterbildungsinhalte anerkannt und diskutiert. Vor kurzem hat der BVOU eine Serie von Webinaren gestartet, bei denen es unter anderem um das konservative Tätigkeitsspektrum geht. Diese Inhalte stehen so einem breiten Auditorium zur Verfügung. Da die Webinare aufgezeichnet werden, stehen sie nach dem Live-Cast ein ganzes Jahr Interessierten im BVOU Study Club zur Verfügung. Dr. Jörg Ansorg, Sabine Rieser