Archiv für den Monat: November 2016

DGOU: Kürzungen bei Vergütung gefährden Patientensicherheit

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE) sehen die Patientensicherheit und die hohen Qualitätsstandards in der orthopädischen Versorgung gefährdet. Grund sind erneute Kürzungen bei der Leistungsvergütung der sogenannten Diagnosebezogenen Fallgruppen (DRG): Die Pauschalen für den Hüftgelenksersatz und für zahlreiche Maßnahmen bei der Wirbelsäulen-Therapie werden zum 1. Januar 2017 gesenkt, so der Beschluss der Selbstverwaltungspartner im deutschen Gesundheitswesen. DGOU-Generalsekretär Prof. Dr. Reinhard Hoffmann sagt dazu: „Die Folgen der seit Jahren anhaltenden Abwärtsspirale in der DRG-Preispolitik werden wir ohne Qualitätseinbußen kaum noch kompensieren können. Der Leidtragende ist zum Schluss der Patient. Die Menschen werden sich zukünftig wohl auf weniger hochwertige und innovative Therapie-Angebote, längere OP-Wartezeiten, noch schnellere Entlassungen aus der Klinik sowie Prothesen mit einer möglicherweise geringeren Haltedauer einstellen müssen.“

Das Krankenhausstrukturgesetz von 2016, das die aktuelle Bundesregierung auf den Weg gebracht hat, sollte den Patienten zugute kommen: Die Spezialisierung von Kliniken und die Qualität der Versorgung sollten gefördert werden. Nun ist das Gegenteil der Fall: Vor allem spezialisierte Fachkliniken für Orthopädie und Unfallchirurgie mit einem hohen Qualitätsniveau und Therapiekonzepten für schwierige Fälle werden mit der aktuellen DRG-Abwertung empfindlich getroffen. Denn der DRG-Fallpauschalen-Katalog 2017 sieht zahlreiche Kürzungen vor: So erhalten Kliniken beispielsweise für eine einfache Hüft-Total-Endoprothese 5,75 Prozent weniger Vergütung als bisher. Für 2018 ist eine weitere Absenkung vorgesehen. Der AE-Generalsekretär und Vizepräsident des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) Prof. Dr. Karl-Dieter Heller sagt: „Zu diesem Preis können wir die hohe Qualität unserer Versorgung nicht mehr halten. Insbesondere spezialisierte Kliniken, die die Kostenlücke über andere Fachbereiche nicht ausgleichen können, stehen damit mit dem Rücken zur Wand.“

Mit dem erneuten Einschnitt in die Vergütung können die Kliniken ihre Patienten, bei denen eine Hüft- bzw. Rücken-OP vonnöten ist, kaum mehr kostendeckend therapieren. Die Folge: Krankenhäuser müssen die Kosten der Liegezeiten, der Implantate und der Sachkosten senken sowie das Operationsangebot einschränken. Endoprothetik-Experte Heller verdeutlicht die Folgen der Sparmaßnahmen am Beispiel der Implantate-Auswahl für den künstlichen Hüftgelenksersatz: „Schon jetzt ist die Implantation einer hochwertigen Kurzschaftprothese mit einer Keramik-Keramik-Gleitpaarung nicht mehr kostendeckend möglich. Mit der zukünftigen Kürzung sind insbesondere spezialisierte Kliniken gezwungen, preiswertere Implantate auszuwählen. Mit einer geringeren Qualität der Implantate sinkt allerdings auch deren Verweildauer im Körper. In letzter Konsequenz könnte das in 10 Jahren eine deutlich erhöhte Rate an Revisions-Operationen zur Folge haben.“

Die DGOU erachtet die Entscheidung zur DRG-Abwertung für die Therapie von Erkrankungen der Wirbelsäule nicht nur als entgegen den Zielen des Krankenhausstrukturgesetzes, sondern zudem als widersprüchlich in sich. Zukünftig sollen nicht nur die Fallpauschalen für operative Eingriffe schlechter vergütet werden. Zusätzlich werden auch die Möglichkeiten der konservativen stationären Behandlung erschwert: Kliniken, die mehr Patienten als der Bundesdurchschnitt konservativ therapieren, sollen weniger Behandlungskosten erstattet bekommen. Auch das schadet vor allem den spezialisierten Kliniken, die aufgrund ihrer Expertise überdurchschnittlich viele Patienten mit Rückenleiden behandeln. Prof. Dr. Frank Kandziora, Leiter der DGOU-Sektion Wirbelsäule, erklärt: „Schon heute ist die konservative Therapie von degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen im niedergelassenen Bereich dramatisch und chronisch unterfinanziert. Eine Operation sollte immer die letzte Option sein. Gerade deswegen muss die konservative Therapie gestärkt und nicht abgeschwächt werden“.

Die Selbstverwaltungspartner im deutschen Gesundheitswesen haben die Abwertungen aufgrund des Verdachtes auf wirtschaftlich begründbare Fallzahlsteigerungen beschieden. Eine aktuelle Darstellung aus dem Jahresbericht des Endoprothesenregisters Deutschlands (EPRD) zeigt jedoch, dass die endoprothetischen Implantationszahlen seit 2009 stabil geblieben sind. Die DGOU und die AE weisen zudem darauf hin, dass es durch den demografischen Wandel in den nächsten 20 Jahren einen erhöhten Versorgungsbedarf im Bereich der Arthrose-Behandlung geben werde. „Insbesondere vor diesem Hintergrund erwarten wir an den Bedarf angepasste Entscheidungen“, sagt Prof. Dr. Bernd Kladny, stellvertretender DGOU-Generalsekretär. Es sei der falsche Weg, der in die Jahre kommenden Babyboomer-Generation, die viele Köpfe zählt, den Anspruch auf eine gute Versorgung zu verwehren.

Hintergrund

Menschen mit Verschleißerscheinungen an Knochen und Gelenken, einer sogenannten Arthrose, sind in Deutschland bisher sehr gut versorgt: Neben konservativen Behandlungsmethoden ermöglichen Operationen an Hüfte, Knie und Wirbelsäule, dass Menschen bis ins hohe Alter mobil bleiben können.
Orthopäden und Unfallchirurgen handeln dabei nach dem Grundsatz „Gelenkerhalt vor Gelenkersatz“. Etwa 90 Prozent der eingesetzten Prothesen halten länger als 15 Jahre, die Komplikationsrate liegt bei weniger als drei Prozent. Damit geht eine sehr hohe Patientenzufriedenheit einher.

Referenzen

1) Wirbelsäulenchirurgie ist wichtig und richtig, Mitteilungen und Nachrichten – Orthopädie und Unfallchirurgie, 5/2016.
2) Keine Angst vor notwendigen Wirbelsäulenoperationen: Chirurgie sinnvoll im Behandlungskonzept integriert. DKOU-Pressemitteilung, 26.10.2016.
3) Endoprothetik-Patienten in Deutschland sehr gut versorgt – Dennoch gilt: Gelenkerhalt vor Gelenkersatz. DKOU-Pressemitteilung, 15.09.2016.

Quelle: DGOU

Ansprechpartner

Susanne Herda
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) e.V.
Straße des 17. Juni 106-108
10623 Berlin
Telefon: 030 – 3406036-06 oder -16
Telefax: 030 – 340603601
presse@dgou.de

Zum siebten Mal: „Zeigt her Eure Füße“

Berlin, im November 2016 – Mehr Bewegung für Kinder: Unter dieser Idee veranstaltet der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU) zum siebten Mal die bundesweite Aktion Orthofit „Zeigt her Eure Füße“. Orthopädinnen und Orthopäden besuchen vom 21. – 25. November Grundschulen in ganz Deutschland und vermitteln dort spielerisch Kindern Spaß an Bewegung. Bislang haben sich rund 100 Schulen mit knapp 300 Klassen und 9.000 Kindern angemeldet.

Unterstützt werden die Orthopäden dabei von TV-Star Christian Bahrmann, der mit „Zeig her, wozu du Füße hast“ den Mitmach-Song zur Aktion geschrieben hat. Die Schirmherrschaft hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe übernommen: „Ich möchte Eltern dazu motivieren, ihren Kindern eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen und freue mich, die Kampagne unterstützen zu dürfen.“

Fachärztinnen und Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie veranstalten vor Ort eine interaktive Sportstunde mit den Kindern. Spielerisch zeigen sie Übungen, um Kindern die Wichtigkeit ihrer Füße für den ganzen Körper zu vermitteln. Zur Aktion „Zeigt her Eure Füße“ gibt es Informations- und Begleitmaterialien, unter anderem eine neue Informationsbroschüre und eine interaktive Webseite.

Gegen den Bewegungsmangel unserer Kinder

In der Bevölkerung herrscht ein zunehmender Bewegungsmangel. Dies gilt auch für Kinder: Eine wachsende Zahl von ihnen bewegt sich nicht mehr ausreichend, verbringt viel Zeit vor Spielkonsolen, statt gemeinschaftlichen Sportaktivitäten casinos nachzugehen. Allzu häufig beherrschen Kinder selbst einfache Übungen wie Rückwärtslaufen oder Hüpfen auf einem Bein nicht mehr. Solche Defizite haben Auswirkungen auf den gesamten Halte- und Bewegungsapparat. Kontinuierliche Bewegung und Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig, um drohende Erkrankungen und bleibende Schäden zu vermeiden.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.aktion-orthofit.de

Für ein Interview stehen Ihnen der Präsident des BVOU e.V., Dr. med. Johannes Flechtenmacher, BVOU-Vizepräsident Prof. Dr. med. Karsten E. Dreinhöfer, der BVOU-Geschäftsführer, Dr. med. Jörg Ansorg, und Christian Bahrmann gerne zur Verfügung.

Kontakt für Rückfragen:

Sabine Rieser
Leitung Kommunikation und Pressearbeit
Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU e.V.)
Straße des 17. Juni 106 – 108, 10623 Berlin
Telefon: +49 (0)30  797 444 51
Fax +49 (0)30 797 444 45
E-Mail: sabine.rieser@bvou.net

Orthopädische Rheumatologie: Blick nach vorn statt Herbstflaute

Ratzeburg – Von einer Herbstflaute oder sogar Herbstdepression kann in der orthopädischen Rheumatologie (ORh) keine Rede sein. Das Referat ORh blickt hoffnungsfroh in die Zukunft und nimmt eine Vielzahl positiver Eindrücke vom DKOU in Berlin und vom Rheumatologenkongress in Frankfurt mit. Auch darüber hinaus tut sich viel: in der Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) und im Bereich der Fortbildung mit neuen Kursen und Webinaren.

Rückblick auf den DKOU 2016

Auch in diesem Jahr bot der DKOU erneut ein überaus vielfältiges Programm. Die Themen der orthopädischen Rheumatologie waren dabei allerdings sehr überschaubar vertreten. Die gemeinsame Sitzung des Referates ORh von Prof. Wolfgang Rüther und mir mit den internistischen Kollegen Herrn Prof. Peter Herzer aus München und PD Dr. Christof Iking-Konert aus Hamburg zu den Themen Borelliendiagnostik und -therapie, Gichttherapie und Polymyalgia rheumatika war sehr gut besucht und in der Diskussion sehr lebhaft.

Rheumatologenkongress 2016

Der Rheumatologenkongress fand in diesem Jahr vom 30. August bis 3. September in Frankfurt am Main statt. Auch hier war die Flut von Angeboten gewaltig, aber bei einer Teilnehmerzahl von 2.700 gegenüber 12.000 beim DKOU überschaubarer. Die Rheumatologie bleibt weiterhin in ständiger Bewegung: die neuen Empfehlungen der EULAR, insbesondere zur Therapie der Rheumatoiden Arthritis, die neuesten Erkenntnisse zur Psoriasis-Arthritis, die insbesondere die „Enthesen“ vermehrt einbeziehen, der erneut veränderte Umgang mit Glukokortikoiden – all das ist für die Zukunft bedeutsam.

Kooperation des Referates ORh mit der DGORh

Als Nachfolger von Prof. Stefan Rehart ist Prof. Wolfgang Rüther beim Rheumatologenkongress in Frankfurt zum Präsidenten der DGORh gewählt worden. Er war in dieser Funktion bereits von 2004 bis 2010 aktiv. Als neues Ehrenmitglied des BVOU – die Auszeichnung erhielt er beim DKOU – wird Wolfgang Rüther auch weiterhin für unser Referat ORh tätig sein. Die Kooperation des BVOU-Referates mit der DGORh, einer Sektion der DGOOC, erweitert unsere Möglichkeiten. Die DGORh, bislang eine Sektion mit vorwiegend operativ tätigen orthopädischen Rheumatologen, öffnet sich mehr für die konservativ Tätigen mit rheumatologischem Interesse, also auch für die rheumatologisch fortgebildeten Orthopäden (RhefO).

Erster Rheuma-Super-Refresher in Berlin  

Der erste Rheuma-Super-Refresher in Berlin vom 16. bis 17. September 2016 war ein Erfolg. Mit aktuellen Daten zur Rheumatologie, präsentiert von Prof. Christian Kneitz aus Rostock und mir, konnten die 20 Teilnehmer ihre Kenntnisse auffrischen und damit die RhefO-Zertifizierung für 2016 erlangen. Abhängig von Ihrem Interesse werden wir weitere Kurse anbieten. Melden Sie sich bei der ADO unter info@institut-ado.de oder bei Frau Sibylle Reichelt unter 030-79744459.

Erster Rheuma-Super-Refresher in Berlin © ADO
Erster Rheuma-Super-Refresher in Berlin © ADO

Webinare und Termine

Die Online-Kurse des BVOU Study Club sind das neueste Fortbildungsformat des BVOU. Mitglieder des Berufsverbandes können sich schnell und einfach mit ihrem Mitglieder-Login für die kostenfreien Webinare anmelden. Gerne möchte ich Sie zu zwei Webinaren einladen, die ich als Referent betreue: am 16. November „Psoriasis – Mehr als nur ein Hautproblem“ und am 30. November „Den Bechterew übersehe ich nicht“. Im Anschluss an jedes Webinar können Sie mir über ein Chatfenster Fragen stellen. Bei erfolgreicher Teilnahme erhalten Sie jeweils zwei Stunden für die Erfüllung der RhefO-Bedingungen anerkannt.

Die ersten Termine für unsere weiteren ADO-Zertifizierungskurse ORh im Jahr 2017 stehen fest. Wir beginnen mit einem IIIer Kurs in Frankfurt am 27. und 28. Januar in Frankfurt. Bitte melden Sie sich schnell an, da die IIIer Kurse immer sehr begehrt sind und der Nachfolgekurs zum VSOU aus Erfahrung frühzeitig ausgebucht ist. Hinweisen möchte ich auch auf eine gemeinsame Veranstaltung mit der DGORh in Hamburg am 4. März. Hier planen wir einen Workshop unter dem Motto „Rheuma intensiv“, der als Einsteigerkurs für Assistenzärzte, aber auch als Refresher für Fortgebildete genutzt werden kann.

Uwe Schwokowski

Ärztemonitor: Orthopäden haben zu wenig Zeit und Geld

Berlin – Niedergelassene Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie hätten gern mehr Zeit für jeden einzelnen ihrer Patienten. Zudem sind sie unzufriedener mit ihrer wirtschaftlichen Situation und fühlen sich ausgebrannter als Kollegen anderer Fachgruppen. Das geht aus dem jüngsten Ärztemonitor hervor.

Zum dritten Mal seit 2012 haben der NAV-Virchow-Bund und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) den Ärztemonitor in Auftrag gegeben. Ende Oktober wurden die Ergebnisse der deutschlandweit größten Befragung von Ärzten und Psychotherapeuten in Berlin vorgestellt. Knapp 11.000 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten, darunter 263 Orthopäden, befragte das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) zu Themen rund um die Praxis. Dabei ging es neben allgemeinen Arbeitsbedingungen und der wirtschaftlichen Situation vor allem auch um die Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit.

95 Prozent haben Freude am Beruf 

„Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen engagieren sich Tag für Tag unter schwierigen Rahmenbedingungen für ihre Patienten“, erklärte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV. „Es ist bemerkenswert, dass die Zufriedenheitswerte mit der eigenen Arbeit seit der ersten Befragung im Jahr 2012 unverändert hoch ausgefallen sind.“

So geben 96 Prozent aller Befragten an, Spaß am Beruf zu haben. Insgesamt 92 Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden. Ähnliche Werte zeigen sich auch bei der Fachgruppe der Orthopäden: 95 Prozent geben an, Spaß an ihrem Beruf zu haben. Die Zufriedenheit mit der Arbeit liegt hier bei 89 Prozent. „Das zeigt, dass die ärztliche und psychotherapeutische Arbeit mit den Patienten sehr motiviert“, so der KBV-Chef.

72 Prozent haben zu wenig Zeit für jeden Patienten

Dennoch gebe es einige kritische Brennpunkte für die Niedergelassenen, bemerkte Gassen und nannte hierbei unter anderem den zunehmenden Zeitmangel in der Patientenversorgung. Ausreichend Zeit für die Behandlung jedes Patienten haben demnach nach eigener Einschätzung nur 43 Prozent aller befragten Haus- und Fachärzte. Bei den Orthopäden sind es sogar nur 28 Prozent.

Bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 55,7 Stunden und 61,1 behandelten Patienten am Tag fühlen sich 39 Prozent der befragten Orthopäden durch ihre Arbeit ausgebrannt. Damit liegen sie deutlich über dem Durchschnitt: Die Wochenarbeitszeit aller befragten Haus- und Fachärzte beträgt durchschnittlich 52,2 Stunden und sie behandeln 44,6 Patienten pro Tag. Insgesamt 30 Prozent von ihnen geben an, sich durch ihre Arbeit ausgebrannt zu fühlen.

Unzufrieden mit wirtschaftlicher Situation

Darüber hinaus schneiden die niedergelassenen Orthopäden auch im Bereich der finanziellen Zufriedenheit schlechter ab als ihre Kollegen aus anderen Fachgebieten. Mit der wirtschaftlichen Situation der Praxis sind insgesamt 68 Prozent aller befragten Haus- und Fachärzte zufrieden. Bei den Orthopäden sind es nur 46 Prozent. Auch die Zufriedenheit mit dem monatlichen Einkommen ist bei den Orthopäden merklich niedriger (52 Prozent) als in der Gesamtheit der befragten Ärzte (64 Prozent).

Diese Entwicklung gebe Anlass zur Sorge, sagte Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes: „Der Anstieg bei den Zufriedenheitswerten verläuft nicht für alle Fachgruppen gleich. Während die Hausärzte seit 2012 ein erfreuliches Plus verzeichnen konnten, halten insbesondere die grundversorgenden Fachärzte bei dieser Entwicklung nicht Schritt. Das darf angesichts des zunehmenden Ärztemangels gerade in den ländlichen Regionen nicht zum Dauerzustand werden.“

Nachfolgersuche für Orthopäden etwas einfacher 

Herausforderungen sehen viele Niedergelassene in diesem Kontext auch bei der Nachbesetzung ihrer Praxen – obgleich es den Orthopäden laut der Befragung etwas leichter fällt als vielen anderen Facharztgruppen, einen Nachfolger zu play online slots for real money finden. Etwa ein Viertel der selbstständigen Haus- und Fachärzte, ebenso wie ein Viertel der befragten Orthopäden, möchte aus Altersgründen in den kommenden fünf Jahren in den Ruhestand gehen. Während 50 Prozent der Orthopäden bereits Erfolg bei der Nachfolgersuche hatten, sind es in allen Fachgruppen durchschnittlich 43 Prozent. Die Hälfte der Orthopäden auf Nachfolgersuche empfindet es als schwierig, ihre Praxis nachzubesetzen. Demgegenüber sind es in allen Fachgruppen durchschnittlich sogar 71 Prozent, die Schwierigkeiten dabei haben, einen Nachfolger zu finden.

Um die Versorgung in Zukunft sicherstellen zu können, sei insbesondere die ambulante Weiterbildung von großer Bedeutung, betonte Heinrich. „Nur wenn genug junge Ärzte einen Teil ihrer Assistenzzeit in den Praxen absolvieren, finden sich später ausreichend Anwärter für die Praxisnachfolge“, so der NAV-Vorsitzende. Laut Ärztemonitor 2016 haben 37 Prozent der Befragten eine Weiterbildungsermächtigung. Umgerechnet auf die Gesamtzahl der Vertragsärzte könne damit von über 53.000 ambulanten Weiterbildungsstellen ausgegangen werden. „Einen Flaschenhals, wie von vielen befürchtet, gibt es in der ambulanten Weiterbildung nicht“, so Heinrich. Unter den befragten Orthopäden verfügen 46 Prozent über eine Ermächtigung zur Weiterbildung. Ebenfalls 46 Prozent von ihnen planen, in den nächsten fünf Jahren einen Weiterbildungsassistenten zu beschäftigen.

Neue Technik macht Orthesen leichter und flexibler

Kaiserslautern – Orthesen sind mitunter zu starr und können zu Druckstellen führen. Flexibler, leichter und dabei fester als Stahl sind die Materialien, die Dr. Markus Brzeski in seinem Start-up „A+ Composites“ herstellt. Er hat am Institut für Verbundwerkstoffe an der Technischen Universität Kaiserslautern ein kostengünstiges, materialsparendes Verfahren entwickelt, mit dem Orthesen, aber auch Prothesen passgenau nach Kundenwünschen hergestellt werden können. Er setzt dabei auf einen faserverstärkten Kunststoff.

Orthesen geben Betroffenen ein großes Stück an Lebensqualität wieder. Sitzen sie allerdings nicht richtig, kann es zu Druckstellen und Hautreizungen kommen. In der Folge können Wunden entstehen. „Mit unserem Verfahren können wir Orthesen anfertigen, die nur an gewünschten Stellen eine Festigkeit aufweisen und darüber hinaus leichter sind“, sagt Brzeski, der die Technik in seinem Start-up „A+ Composites“, einer Ausgründung der TU Kaiserslautern, vermarktet.

Neues Verfahren zur Herstellung verstärkter Kunststoffe

Im Rahmen seiner Promotion hat der Jungunternehmer ein Verfahren entwickelt, mit dem er neuartige verstärkte Kunststoffe herstellt. „Wir nutzen einen thermoplastischen Kunststoff, der in seiner Konsistenz zähflüssigem Honig ähnelt“, erklärt der Ingenieur. Dieser wird mit Kohlestofffasern kombiniert. Dabei kommt es auf die besondere Zusammensetzung der Materialien an, wie Brzeski mit Hilfe eines Beispiels erläutert: „Es ist im Prinzip so, als ob man mit Honig jedes Haar auf der Kopfhaut ummantelt. Auf diese Weise ist jede einzelne Faser vom Kunststoff umgeben.“

Materialsparende, automatisierte Fertigung

Durch diesen Materialmix bringt der Kunststoff eine Vielzahl von Eigenschaften mit sich: „Er ist fester als Stahl, aber zugleich deutlich leichter und flexibel“, sagt der Ingenieur. „Daher ist er für den Bau von Orthesen besonders geeignet.“ Der abgekühlte Kunststoff kann direkt weiterverarbeitet werden. Das Team um Brzeski nutzt dazu einen Roboter, der ihn Schicht für Schicht direkt in die gewünschte Form bringt. Dieser Prozess läuft automatisch ab. Zwischenschritte wie bei herkömmlichen Produktionen entfallen. „Ein Computerprogramm gibt die Form und die gewünschte Stückzahl vor“, so Brzeski weiter. „Mit unserer Technik sparen wir unter anderem Material und so bis zu 80 Prozent der Kosten ein.“ So lohne es sich auch, Produkte in geringen Mengen herzustellen.

Individuelle Orthesen erhöhen Tragekomfort

Das Verfahren ermögliche es, Orthesen für Knie, Beine oder den Rücken maßgeschneidert anzufertigen. Stützkorsetts, die die Wirbelsäule entlasten sollen, kommen etwa mit weniger Material aus. „Es stützt gezielt nur an den Stellen, an denen es Halt geben soll“, sagt der Ingenieur. „An anderen Stellen können wir auf Material verzichten. Für den Patienten bringt dies einen höheren Tragekomfort mit sich. Zudem verbessert sich die medizinische Wirksamkeit.“

Auf der Medizintechnikmesse Medica vom 14. bis 17. November 2016 in Düsseldorf stellt der Jungunternehmer die Technik am Gemeinschaftsstand Rheinland-Pfalz (Halle 7a, Stand B06) vor.

Quelle: Technische Universität Kaiserslautern

Rückschau DKOU 2016: Herr Dr. Ansorg, wie lief’s?

BVOU.net: Herr Dr. Ansorg, wie ist Ihr Fazit als BVOU-Geschäftsführer für den DKOU 2016?
Jörg Ansorg:
Der BVOU hat sich als moderner und serviceorientierter Berufsverband für alle in Orthopädie und Unfallchirurgie tätigen Ärztinnen und Ärzte präsentiert. Wir waren vor Ort sichtbar und ansprechbar für Nachwuchs und Erfahrene, für Kliniker und Niedergelassene, für Kolleginnen und Kollegen.

BVOU.net: Was hat Ihnen am meisten Freude gemacht?
Ansorg:
Besonders begeistert hat mich die gute Stimmung am Gemeinschaftstand von DGOU, BVOU und wissenschaftlichen Fachgesellschaften in O und U. Wir haben uns als gemeinsame Geschäftsstelle und ein Team präsentiert. Hieran wie bei den Verbandsspitzen zeigt sich die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und die Erkenntnis, dass wir gemeinsam viel mehr erreichen können als jeder für sich.

Wissenschaftliche Gesellschaften und Berufsverband – das sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille: der starken Gemeinschaft in Orthopädie und Unfallchirurgie. In diesem Kontext sehe ich auch das erfolgreiche und harmonische Auftreten der drei DKOU-Kongresspräsidenten. Sie haben den Gemeinschaftsgeist hervorragend verkörpert.

BVOU.net: Was waren aus Ihrer Sicht die Highlights?
Ansorg
: Persönlich waren meine Highlights die vielen guten Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen sowie mit unseren Mandatsträgern. Auch mit Industriepartnern haben wir sehr gute Gespräche geführt und neue Kontakte geknüpft. Für die Besucher zählten sicher die vielen internationalen Sitzungen zu den Highlights. Die Beiträge der diesjährigen Gastländer Schweiz und Israel waren hochkarätig und brillant.

Ein besonderes Highlight für mich war wieder der Lauftreff am Donnerstagmorgen im Tiergarten. Dieses Ereignis wird mit großem personellen Aufwand vom BVOU organisiert und lockt jedes Jahr zwischen 50 und 100 Teilnehmer an, trotz der frühen Morgenstunde.

BVOU.net: Was war die größte Herausforderung?
Ansorg:
Trotz Zeitmangels allen Anforderungen gerecht zu werden. Am Freitag bin ich zu zwei Sitzungen gerannt, um pünktlich zu sein. Da kam das Training am Vortag im Tiergarten gerade recht.

BVOU.net: Wie ist das Kongressmotto Zurück in die Zukunft aus Ihrer Sicht eingelöst worden?
Ansorg:
Die drei Kongresspräsidenten haben das Motto zu jedem Zeitpunkt verkörpert. Der Blick zurück in die Vergangenheit hat sie nicht dazu verleitet, den Pfad in eine gemeinsame Zukunft zu verlassen. Daran konnten sich an allen Kongresstagen die Besucher orientieren. Orthopädie und Unfallchirurgie ist ein breites und spannendes Fach, das unglaublich viele Perspektiven bietet. Ist es nicht großartig, dass die ehemals getrennten Fächer ihre Zukunftsperspektive nun jedem in O und U eröffnen?

Interview: „Bewegung ist Leben war mein Wunschmotto“

Prof. Alexander Beck ist der neue Kongresspräsident des BVOU für den DKOU im nächsten Jahr. Ein Interview über Gestaltungsfreiheit, die Freude am Kongressthema sowie Planungsstress.

BVOU.net: Herr Prof. Beck, Sie sind der neue Präsident des BVOU für den Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2017. Worüber und worauf freuen Sie sich am meisten?
Alexander Beck:
Erst einmal freue ich mich sehr, dass unser Berufsverband mir diese Aufgabe übertragen hat. Das ist eine große Ehre für mich, auf die ich sehr stolz bin. Außerdem gefällt mir schon jetzt die Kreativität, mit der ich zusammen mit meinen Mitpräsidenten Prof. Ingo Marzi und Prof. Andrea Meurer den DKOU 2017 planen und das Programm ausgestalten kann. Das ist einerseits eine tolle und reizvolle Aufgabe, aber andererseits auch etwas, was man nicht jeden Tag bewältigen könnte.

BVOU.net: Was verbinden Sie mit dem Kongressmotto 2017: Bewegung ist Leben?
Beck:
Das war auch mein Wunschmotto. Es beschreibt sehr gut, was die Kolleginnen und Kollegen in unserem gesamten Fachgebiet beschäftigt: Alles, was mit Leben zu tun hat, ist Bewegung. Bewegung ist etwas Schönes und Positives, nicht nur für Sportlerinnen und Sportler jeden Alters, sondern für alle Menschen.

Und wenn die Bewegung eingeschränkt ist oder gar verloren gegangen, dann sorgen wir Ärzte in O und U dafür, dass sich das wieder ändert. Wir helfen, auch durch ein vertrauensvolles Arzt-Patient-Verhältnis, dass Menschen sich wieder besser bewegen können. Optimalerweise geschieht dies im Einklang mit dem stetigen Fortschritt in unserem Fach, also indem wir weiterentwickelte Therapien sowie Innovationen aus der Forschung einbeziehen.

BVOU.net: Welche Themenaspekte sind Ihnen besonders wichtig?
Beck:
Sport und Bewegung – das ist seit vielen Jahren ein wichtiges Thema in unserem Land. Einerseits treiben Bürgerinnen und Bürger Sport, um sich fit zu halten und weil sie Spaß an körperlicher Betätigung haben. Andererseits messen sich immer mehr ältere Menschen auch mit den Jüngeren, wollen im Sport Schritt halten. Daraus ergeben sich vielfältigste Fragestellungen, und zwar vom Breiten- bis zum dopingfreien Spitzensport. Wie sehen die jeweiligen potentiellen Risiken aus? Wie behandelt man Verletzungen und Überlastungsschäden, wie sorgt man für deren Prävention? Das alles werden wichtige Themen auf dem DKOU 2017 sein. Ich freue mich auch sehr, dass wir die USA als Gastland gewinnen konnten. Das gibt Deutschland als Veranstalterland und den USA die Möglichkeit, wieder einmal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

BVOU.net: Haben Sie sich von Ihrem Vorgänger Dr. Neubert etwas abgeguckt?
Beck:
Manfred Neubert hat einen ganz tollen Job gemacht. Dazu kann ich ihm nur sehr herzlich gratulieren. Die Latte hängt somit sehr hoch. Aber jeder DKOU-Präsident wird und muss seinen Kongress individuell gestalten. Wenn man sich zu viel vom Vorgänger abguckt, wird es sonst für die Besucher schnell langweilig. Deshalb: Variatio delectat.

BVOU.net: Was ist bei der Vorbereitung für den DKOU 2017 die größte Herausforderung?
Beck:
Eine der ganz großen Herausforderungen liegt sicher in der individuellen Ausgestaltung des wissenschaftlichen Programms. Die Sitzungen überschneiden sich ja notgedrungen immer, es gibt mehrere Parallelstränge. Da muss man als Programmgestalter dem Großteil der Besucher dahingehend entgegenkommen, dass nicht zu viele thematisch ähnliche Veranstaltungen parallel laufen. Sonst hat man keine Chance, wenigstens einzelne zu besuchen. Wir wollen diesen Punkt für unsere Gäste im nächsten Jahr so optimal wie möglich gestalten.

Forscher entwickeln biokeramischen Schraubnagel

Bremen – Komplizierte Knochenbrüche werden häufig mit Schrauben und Platten aus Titan oder Stahl fixiert. Bleiben diese im Körper, können sie Beschwerden auslösen. Ein neuer, biokeramischer Schraubnagel könnte die bislang verwendeten Metallteile ersetzen. Er lässt sich leicht in den Knochen einbringen und muss nicht wieder entfernt werden. Fraunhofer-Forscher präsentieren den Schraubnagel vom 14. bis 17. November 2016 auf der Messe MEDICA in Düsseldorf.

Die operative Entfernung von Schrauben und Platten aus Titan oder Stahl nach der Heilung eines Bruchs ist aufwendig und belastend für die Patienten. Bleiben die Schrauben jedoch im Körper, können sie bei empfindlichen Menschen Entzündungen oder Allergien auslösen. Diese Beschwerden könnten bald Geschichte sein: Forscher des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Bremen haben gemeinsam mit Partnern der Unikliniken Gießen-Marburg und Bonn, sowie der Universität Bremen einen biokeramischen Schraubnagel entwickelt. Der sogenannte „Schragel“ besteht aus Calciumphosphat, das im Wesentlichen der Zusammensetzung der Knochensubstanz entspricht.

Verminderte Verletzungsgefahr an Sehnen und Knochen

Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit einer Million Euro. Wichtige Aufgabenstellungen waren laut Dr. rer. nat. Sebastian Hein vom IFAM, den Schraubnagel keramikgerecht zu designen und zu härten. Im Gegensatz zur herkömmlichen medizinischen Schraube aus Titan oder Polymer wird der Schragel nicht in den Knochen geschraubt, sondern vorsichtig eingehämmert. Deshalb haben die Forscher eine spezielle Gewindeform für den Schragel entwickelt. So lässt er sich mit wenigen Rotationen einbringen und vermindert die Verletzungsgefahr an Sehnen und Knochen.

Der keramische Schraubnagel muss nicht entfernt werden, weil er in den Knochen einwächst: Die beiden hauptsächlich verwendeten Biokeramiken Calciumphosphat oder Hydroxylapatit sind dem Knochenmaterial sehr ähnlich. Das sei ein wesentlicher Vorteil gegenüber Polymerschrauben, die sich im Körper auflösen, so die Forscher. Abbauprodukte von Polymerschrauben verursachen Entzündungen. Im Knochen können nach der Auflösung Hohlräume entstehen. Dadurch wird er instabil und kann leichter brechen. Keramikbasierte Schraubnägel lösen sich nicht auf, sondern verbinden sich mit dem Knochen. Im Idealfall forcieren sie laut Hein sogar den Knochenaufbau.

Patienten-spezifische Implantate

Die größte Herausforderung für das Entwickler-Team von IFAM und Uni Bremen war es, eine maximale Festigkeit des Materials zu erreichen, da Keramiken brechen können. Mit Hilfe der Spritzgusstechnik gießen die Forscher Hydroxylapatit-Pulver in Schragel-Formen und erhitzen es. Ohne Lufteinflüsse ergeben sich so optimal dichte Bauteile. Gerade für die Serienfertigung sei dieses Verfahren sehr günstig und lasse ein flexibles Design zu. Das Hydroxylapatit-Pulver könne aber auch im Zusammenhang mit 3D-Druckern eingesetzt werden. Dies ermögliche die Fertigung patientenspezifischer Implantate, so die Forscher.

Hein rechnet damit, dass der Schragel bald bei Operationen eingesetzt wird, denn Calciumphosphat wurde bereits auf seine Biokompatibilität getestet und ist schon seit einigen Jahren als medizinischer Werkstoff in Gebrauch. Hinzu kommt, dass die Ärzte bei Operationen an Schafen die Schragel viel schneller und exakter einhämmern konnten als Standardschrauben. „Ein Effekt mit dem wir gar nicht gerechnet hatten“, sagt Hein. So kann die Operations- und Narkosezeit für den Patienten verkürzt werden.

Vom 14. bis 17. November präsentieren die Forscher den Schragel auf der Messe MEDICA in Düsseldorf am Stand von Fraunhofer-IFAM (Halle 10, Stand G05).

Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft

„Väter in Elternzeit“: Bestes Foto gekürt

Berlin – Dr. Martin Lützerath aus Aachen hat den Fotowettbewerb „Väter in Elternzeit“ des Jungen Forums O&U gewonnen. Auf dem Siegerbild ist der junge Mediziner gemeinsam mit seiner Tochter Helena zu sehen. Als Nachwuchsorganisation der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) hatte das Junge Forum den Wettbewerb im Juli 2016 ausgelobt.

Mit der Aktion sollte sichtbar gemacht werden, dass eine Elternzeit auch für junge Ärzte aus Orthopädie und Unfallchirurgie möglich ist. Die Gewinner wurden im Rahmen der Podiumsdiskussion „Berufsperspektive O&U“ am Tag der Studierenden auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2016 in der letzten Woche in Berlin gekürt.

Immer mehr Männer in der Medizin nutzen die Möglichkeit, die ersten Lebensmonate ihres Kindes intensiv mitzuerleben und aktiv zu begleiten. Während einige Ärzte das Elternzeit-Minimum von 2 Monaten nehmen, betreuen andere Väter ihre Kleinkinder ein Jahr oder länger. Dr. Martin Lützerath von der Uniklinik RWTH Aachen entschied sich bewusst für die Auszeit: „Mir war von Anfang an klar, dass ich gern möglichst viel Zeit mit meiner Tochter und meiner Familie verbringen möchte. Die Elternzeit ist hierfür ideal.“ Der junge Vater erzählt, dass er die gemeinsame Zeit mit seinem Kind sehr genossen hat. „Das Schönste ist einfach, Helena in allen Facetten und mit ihren unterschiedlichen Stimmungen auch tagsüber erleben zu können.“ Und beim zweiten Kind? Lützerath würde jederzeit wieder eine berufliche Auszeit nehmen.

Als Gewinner des Fotowettbewerbs hat Lützerath ein Jahres-Abo für springermedizin.de im Wert von 399 Euro und einen Buchgutschein im Wert von 150 Euro erhalten. Der zweite Platz ging an Dr. Dorian Hauke aus dem schweizerischen Oberwil, dritter Sieger wurde Dr. Thomas Brockamp aus Bonn. Beide konnten sich ebenfalls über ein Jahres-Abo und einen Buchgutschein im Wert von 100 Euro bzw. 50 Euro freuen.

Quelle: DGOU

KV-Wahl: Einsatz für neue Versorgungsstrukturen

Pirmasens – Vor knapp einem Jahr ist Dr. Frank Fasco in ein großes neues Ärztehaus umgezogen. Jetzt arbeitet er in einer konservativ ausgerichteten Praxisgemeinschaft mit einem jüngeren Kollegen. Kontinuität wünscht er sich hingegen für seine Tätigkeit in der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz: Er kandidiert für eine weitere Amtsperiode.

7 Fragen an Dr. Frank Fasco

BVOU.net: Warum kandidieren Sie für die Vertreterversammlung (VV)?
Fasco
: Ich bin seit vielen Jahren berufspolitisch im BVOU, der KV und bei Medi-Rheinland-Pfalz aktiv. Seit fünf Jahren bin Mitglied in der VV. Auch wenn die Mitarbeit dort oft schwierig und frustrierend erscheint, so ist die demokratische, parlamentarische Auseinandersetzung wichtig, um für die Mehrheit gute Ergebnissen zu erkämpfen.

BVOU.net: Wofür steht Ihre Liste?
Fasco: Ich kandidiere auf der Medi-Südwest Liste. Medi ist seit vielen Jahren kontinuierlich in der Vertretung, Information und im Service für seine Mitglieder in unserem Bundesland aktiv. Wir sind eine fachübergreifende Haus-/Facharztliste und  engagieren uns besonders für die Freiberuflichkeit und den Erhalt der fachärztlichen, niedergelassenen, wohnortnahen und unabhängigen Versorgung. Wichtig ist die Stärkung von haus- und fachärztlicher Zusammenarbeit unter Einbeziehung der Klinikkollegen und -kolleginnen. Die VV muss handlungsfähig bleiben und darf nicht durch ideologische Engstirnigkeit ihre Glaubwürdigkeit verlieren.

BVOU.net: Wofür wollen Sie sich engagieren, wenn Sie gewählt werden?
Fasco: Ich sehe meine Aufgaben in der Verbesserung der innerärztlichen Kooperation, dem kontinuierlichen Zuschütten der Gräben zwischen Haus- und Fachärzten, hin zu einem stabilen Vertrauensverhältnis mit einer stärkeren Vernetzung – aber bei Erhaltung der Individualität. Feste und angemessene Preise sind existenziell für einen freien Beruf und den Erhalt der selbstständigen Praxen. Standespolitik muss fachübergreifend sein. Hausarzt-/Facharztkonflikte in den KVen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung haben diese an den Rand der Handlungsunfähigkeit manövriert. Hier müssen die VVen Verantwortung übernehmen. Die ambulante Versorgung, gerade in ländlichen strukturschwachen Regionen, muss erhalten bleiben. Dafür kämpfe ich.

BVOU.net: Welches Versorgungsthema wollen Sie dann vor allem vorantreiben?
Fasco: Als geschäftsführende Mitglied im Ärztenetz Südwest kämpfe ich seit Jahren um eine Weiterentwicklung und Verbesserung der ambulanten Versorgung unserer Region. Für mich ist grundsätzlich die Weiterentwicklung von neuen Versorgungstrukturen wichtig, Stichworte: Selektivverträge und sektorenübergreifende Versorgung.

BVOU.net: Und welches Honorarthema wollen Sie vorantreiben?
Fasco: Verlässlichkeit und Kalkulierbarkeit sind entscheidende Faktoren bei der Erstellung eines Honorarverteilungsmaßstabs. Das Geld muss der Leistung folgen. Deswegen ist wichtig: Keine neuen Leistungen ohne frisches Geld. Als ganz wichtig sehe ich die Absicherung der Kollegen gegenüber Regressen an. Es kann nicht sein, dass die Krankenkassen Leistungen fordern, diese nicht kostendeckend vergüten und dann bei Überschreitungen teils existenzgefährde Rückforderungen stellen.

BVOU.net: Wie wollen Sie es schaffen, Zeit für die Arbeit in der VV zu erübrigen?
Fasco: Ich habe das die letzten Jahre geschafft und bin sicher, dies auch zukünftig auf die Reihe zu bekommen.

BVOU.net: Wie motivieren Sie sich, wenn Sie einmal gar keine Lust auf Berufspolitik haben?
Fasco: Es ist wie im Sport: Wenn man ausgepowert ist, muss man kurz pausieren. Waldspaziergänge mit meinen Hunden und ein gutes Glas Wein bei entspannender Musik wirken oft Wunder. Danach kann man wieder gestärkt angreifen.

Der BVOU hat bereits zahlreiche Interviews mit Orthopäden und Unfallchirurgen veröffentlicht, die für die KV-Wahlen kandidieren. Das KV-Wahljahr endet demnächst, und zwar in der KV Rheinland-Pfalz am 9. November.

Weiterführende Informationen:

KV-Wahlwerbung: Plakate, Slogans, Hillary-Video

Weitere Interviews:

KV-Wahlen 2016: Die Kandidaten aus O und U im Gespräch